Sammlung zum 15jährigen Jubiläum
Grußwort von Pfarrer Jürgen Heinze; Predigt des Erzbischofs von Cuzco; Die „Dritte Welt“ fordert uns heraus (1987) von Pfarrer Dr. Franzjosef Froitzheim; Eine Brücke von Deutschland nach Perú;
Große, übergroße Hände und Füße fallen an den
Figuren auf, die in dem Tonzyklus über das Leben und Sterben Jesu Christi
dargestellt sind. Der Künstler Raul Castro Rios aus Cuzco hat sie für
das Kloster Heiligenbronn angefertigt. Übergroße Hände, welche
die Kinder segnen; übergroße Hände, welche um einen kleinen
Teil von fünf Broten und zwei Fischen bitten; übergroße Hände,
die bei der Fußwaschung wirklich zupacken, und die beim blinden Bartimäus
ins Leere greifen. Und immer wieder stehen die Figuren auf überdimensionierten
Füßen, als könnte sie nichts umwerfen. Diese Menschen wurzeln
im Leben, lassen sich nicht erschüttern. Aber gerade die Figur der Taufe
Jesu zeigt die Zweideutigkeit der festen Wurzel: Jesus steht sicher im Wasser
des Lebens und greift mit großer Geste nach dem Segen Gottes. Zugleich
sagen die Augen: „Vater, komm Du mir zur Hilfe.“ Wer fest im Leben
steht, ruft umso mehr nach dem Beistand Gottes, will umso mehr die Kraft Gottes
erleben.
Zu sehen sind diese Figuren auf dem Kalender 2003 des Freundeskreises Cuzco
in der Pfarrgemeinde St. Laurentius. Seit 1986 bemühen sich die Mitglieder
dieses Kreises, auf die Not der Menschen in der Hochgebirgsregion von Cuzco
in dem Andenstaat Peru aufmerksam zu machen und durch Gebet und tatkräftige
Liebe die Verbindung zu den Bewohnern dieser Religion zu schaffen. Hilfe zur
Selbsthilfe hat der Freundeskreis Cuzco in den vergangenen Jahren in vielfältiger
Weise geleistet. Dazu zählen die Unterstützung der Taubstummenschule
und der Blindeneinrichtungen in Cuzco genauso wie die Medikamenensendung anläßlich
einer Cholera-Epidemie oder der Benzinkostenzuschuß für Priester
im Erzbistum Cuzco. Immer werden einheimische Kräfte unterstützt,
damit die Tatkraft wirklich zupacken kann. Denn die Menschen in Cuzco brauchen
Hände und Füße, die so groß wie die Hände und Füße
der Tonfiguren von Heiligenbronn sind, damit sie nicht nur überleben, sondern
wirklich leben können.
Seit 15 Jahren arbeiten die Mitglieder des Freundeskreis Cuzco an der wirksamen
Hilfe für ihre Freunde in Peru. Ich wünsche ihnen auch für die
Zukunft Ausdauer und Phantasie in ihrem Engagement.
Jürgen Heinze, Pfr
Predigt des Erzbischofs von Cuzco (1986)
Monseñor Alcides Mendoza Castro predigte in der Pfarrkirche St. Laurentius,
Köln-Porz-Ensen/Westhoven am 06.12.1986:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Es ist für mich nicht nur eine große Freude, heute vor Ihnen zu stehen, sondern ich möchte Ihnen gleichzeitig meinen herzlichen Dank für die von Ihnen bisher geleistete Unterstützung aussprechen. Großartige Zeichen einer echten Hilfsbereitschaft habe ich bereits vor 26 Jahren in Deutschland verspürt, als ich als 30-jähriger Bischof zum Eucharistischen Kongreß 1960 zu Zeiten des unvergeßlichen Herrn Kardinals Wendel nach München eingeladen wurde.
Dank der großzügigen Hilfe konnte ich in Abancay, meiner ersten Diözese, das größte in Perú vorhandene Findelheim aufbauen und dieses der Kongregation der Schwestern der Göttlichen Vorsehung von Mainz übergeben und ebenfalls ein Schwesternhaus für die Vinzentinerinnen von Hildesheim grün-den und Kontakte zu weiteren Kongregationen und Familien in Deutschland aufnehmen, die mich bei den Werken zur größeren Glorie Gottes und bei allen missionarischen Aufgaben tatkräftig unterstützten.
Selbst als oberster Militärbischof von Perú war es mir vergönnt, die vorher genannten Institutionen aufrechtzuerhalten und in Lima anläßlich meines 25-jährigen Priesterjubiläums ein Asyl für alte Geistliche in Chaclacayo zu gründen. So unwahrscheinlich es klingen mag, gibt es bis heute aufgrund der echten Armut keine Altersversorgung für Geistliche, die sich selbst im höchsten Alter nur durch Meßstipendien erhalten müssen.
Im Jahre 1984 wurde ich mit der Übernahme der Erzdiözese von Cuzco betraut. Manche von Ihnen kennen Cuzco, die alte Hauptstadt des Inkareiches, als touristisches Reiseziel mit dem Urubambatal und der Tempelruinenstadt Machu Picchu.
Kaum jemand kennt jedoch Cuzco als eine Diözese, die etwa ein Drittel der Bundesrepublik umfaßt. Trotz der unvergleichlichen landschaftlichen Schön-heit ist das Land bettelarm. Orte von mehr als 10.000 und 20.000 Einwoh-nern besitzen nicht einmal ein Krankenhaus, und in mehreren Provinzen von Cuzco gibt es nicht ein einziges WC. In der Diözese Cuzco, der ältesten in Perú und der ältesten in ganz Südamerika, vor 450 Jahren gegründet, besaß der Erzbischof nicht einmal ein eigenes Haus, da der alte Bischofspalast zum Museum erklärt worden war, so daß ich 2 Jahre wie ein Zigeuner von Haus zu Haus zog. Wenn man bedenkt, daß zwischen 1536 und 1820 alle Missio-nare für Südamerika von Cuzco ausgesandt wurden, um einen ganzen Konti-nent zu evangelisieren, erscheint es fast unvorstellbar, daß heute die Erzdiö-zese nur 62 Priester hat, von denen 35 mehr als 70 Jahre alt sind. Die alten Priester erhalten sich notdürftigst am Leben mit Meßstipendien, die ihnen täglich etwa 4 DM einbringen, das heißt: die weit weniger als der geringste der Hilfsarbeiter verdienen. Sie leben in Häusern ohne hygienische Einrichtungen, ohne Möbel, so daß ich ohne Übertreibung sagen darf, daß jeder Stall in Deutschland wohnlicher und komfortabler ist als ein Priesterhaus in den Provinzen von Cuzco.
Da in den entlegenen Gebieten keine Straßen existieren, werde ich häufig selbst von 80-jährigen Geistlichen zu Pferde bei der Pastoralarbeit begleitet. Wie arm und schlecht ausgerüstet unsere Missionare und Missionsschwestern sind, sehen Sie daran, daß ich ihnen für ihre Reiseausrüstung neben ihren religiösen Büchern stets 2 Artikel mitgebe: eine Laterne und einen Eimer, damit sie ihre „Geschäftchen“ nicht in publico machen müssen, wie es mir selbst einmal passierte, daß ich ohne diese Ausrüstung hinter einem gro-ßen Stein verschwand und plötzlich eine alte Frau mich im Vorbeigehen mit „Ave Maria Purissima“ begrüßte.
Wenn schon die Not so groß ist bei unseren Landgeistlichen, wie sieht dann das Leben der Bevölkerung aus? Familien mit 5 oder 6 Kindern, die mit weniger als 2 DM pro Tag auskommen müssen, die Kinder barfuß trotz der eisigen Kälte in den Bergen zwischen 4.000 und 5.000 Metern Höhe. Eltern, die teilweise Kinder für einen Sack Mais oder Kartoffel hergeben, grassierende Unterernährung und eine hohe Kindersterblichkeit. Sie wußten sicher nicht, daß selbst in der Hauptstadt Cuzco nur 25 % der Häuser ein WC haben und daß mehr als 54 % der Bewohner Analphabeten sind. Aufgrund von fehlenden Mitteln gibt es kaum wirksame Entwicklungsprogramme, die ei-nen kultuellen und geistigen Fortschritt bewirken könnten.
Ich möchte jedoch ganz besonders unterstreichen, daß es immer wieder die deutschen Katholiken waren und sind, die über „Adveniat“ oder „Kirche in Not“ unglaubliche Pionierleistungen hervorgebracht haben. Die Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und Perú zeigt bereits seit ihrer Gründung Anfang dieses Jahres Ansätze einer positiven Entwicklung.
Um die Hilfsaktionen in Deutschland ganz besonders zu fördern, hat mir der Herrgott einen tatkräftigen Diakon und Repräsentanten für die Pastoralarbeit in Deutschland in der Person von Norbert Schady an die Seite gestellt, der mich vom Bischof auf dem Maultierrücken zum Flugreisenden in der LH machte, damit ich Sie persönlich aufsuchen und Ihnen persönlich meinen tiefempfundenen Dank aussprechen kann. Möge dieser Besuch zur Bildung eines Missionskreises der Freunde von Cuzco führen und zu einer echten Vertiefung der Beziehungen von Ihnen zu den ärmsten Pfarrkindern meiner Erzdiözese.
Wir werden Ihnen allen ein Sozial- und Gesundheitsprogramm zuschicken, in dem eine Basis für jede Art der Unterstützung enthalten ist.
Ich möchte aber betonen, daß uns das Bewußtsein Ihres Verständnisses, Ihrer inneren Anteilnahme weit wichtiger sind als jede materielle Hilfe, wenn sie uns auch sehr willkommen ist.
Ich segne Sie alle in der frohen Hoffnung, daß Gott der Allmächtige Ihnen Ihre Großzügigkeit und Ihre Güte durch Gesundheit und Zufriedenheit ver-gelten möge.
AMEN
Die „Dritte Welt“ fordert uns heraus (1987)
(Vorwort des damaligen Pfarrers Dr. Franzjosef Froitzheim in der
1. Informationsschrift des „Freundeskreises Cuzco / Perú“
im März 1987)
Ständig unterernährte Menschen; erschreckend hohe Kindersterblichkeit;
wirtschaftliche Ausbeutung; politische Unterdrückung ...
Wir kennen das alle in Wort, Zahl und Bild, seit Jahr und Tag. Hier kann keiner
sagen, er hätte es nicht gewußt.
Nur – haben wir uns nicht bis zum Überdruß daran gewöhnt, konsumieren wir die Schreckensnachrichten und -bilder nicht wie alles andere auch? Wer läßt sich davon noch ernsthaft stören, wer leistet sich ein schlechtes Gewissen und ist bereit, die Herausforderung „Dritte Welt“ anzunehmen als dau-ernde Anfrage an unsere Wohlstandsgesellschaft und den eigenen Lebens-stil?
Das Hilfsprogramm unserer Gemeinde St. Laurentius für die Erzdiözese Cuzco/Perú ist ein Versuch, sich den uferlosen Problemen an einem Punkt der Erde zu stellen und sich als Christen in die Pflicht nehmen zu lassen. Christsein, so hat Mutter Teresa von Kalkutta gesagt, heißt „lieben, bis es weh tut“. Was lasse ich mir die Hilfe für die Indios im Hochland von Perú kosten an Geld, Gemütlichkeit, Lebensstandard, lieben Gewohnheiten, ruhi-gem Gewissen? Es geht nicht in erster Linie ums Portemonnaie, es geht um unser Herz! Nur wenn sich in unserem Bewußtsein, wenn sich in meinem Leben etwas ändert, wird sich auch an den Verhältnissen etwas ändern, hier wie dort: was dort den Mangel lindert oder behebt, hilft uns hier, frei zu werden von der Diktatur des Wohlstands.
Die Aktion „St. Laurentius hilft Cuzco“ ist so gesehen auch eine Chance für unsere Gemeinde: zu zeigen, daß es doch möglich ist, auch in unserer Welt entschieden christlich zu leben. Ich lade Sie alle ganz herzlich ein, dabei mitzumachen !
Ihr Pfarrer
Franzjosef Froitzheim
Eine Brücke von Deutschland nach Perú
Die Mitglieder des Freundeskreises Cuzco sind bereit, der Herausforderung, die der Zustand der Länder der so genannten Dritten Welt an die Menschen der Industrieländer darstellt, zu begegnen.
Der Freundeskreis Cuzco in der kath. Pfarrgemeinde St. Laurentius, Köln-Porz-Ensen/Westhoven besteht seit Anfang 1987. Vorausgegangen war im Dezember 1986 ein Besuch des Herrn Erzbischof von Cuzco, Monseñor Alcides Mendoza Castro und des dort tätigen Diakons Norbert Schady in der Pfarrgemeinde St. Laurentius.
„Eine Brücke nach Perú schlagen“ war und ist das Motto,
mit dem die Mitglieder des Freundeskreis Cuzco ihre Tätigkeit überschreiben.
In Zusam-menarbeit mit dem Erzbistum Cuzco/Perú sollte als erstes Projekt
im Bereich der Diozöse ein Gesundheits- und Sozialprogramm aufgebaut werden.
Die Gemeinde sah in der Unterstützung dieses Vorhabens einen Versuch, „sich
als Christen in die Pflicht nehmen zu lassen“. Ehe aber der Bau der ersten
Sanitätsstation in Angriff genommen werden konnte, musste das Programm
wieder fallen gelassen werden, da die damals übermächtig wirkende
Terror-organisation „Sendero Luminoso“ – Leuchtender Pfad
– systematisch schon bestehende Sanitäts-Einrichtungen zerstörte
und die dort tätigen peruani-schen Helfer ermordete.
In der Folgezeit wurden statt dessen eine ganze Reihe von Projekten im So-zialbereich
unterstützt, u. a. eine Taubstummenschule, eine Blindenschule, ein Kinderdorf
und mehrere Kinderheime und schließlich das derzeitige Hauptanliegen,
ein Heim für Straßenkinder .
Für alle diese Projekte hat der Freundeskreis Cuzco bis zum 31.5.2002 insgesamt € 146.965,53 aufgewendet.
Es besteht enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Freundeskreisen in Grettstadt/Franken und Dortmund, dem Blindenverein Neuwied und der Perú-Hilfe Kraichgau in Epfenbach/Odenwald. Und zu den Partnern des Freundeskreises gehört seit einiger Zeit auch das Kloster Heiligenbronn im Schwarzwald.